Von: Dr. jur. Jan Martin Strosing

Eigenhändiges Testament § 2247 BGB – Grundlagen des Rechts

Testamente dienen dazu, den letzten Willen des Erblassers festzuhalten. Der letzte Wille eines Verstorbenen bestimmt die Vermögensverteilung, die nach dem Tod eintreten soll. So kann derjenige, der ein Testament errichtet, von der sog. gesetzlichen Erbfolge (das sind die im BGB enthaltenen Vorschriften, nach denen der Nachlass eines Verstorbenen verteilt wird, sofern kein Testament vorliegt) abweichen, indem er anderslautende Verfügungen trifft. Ein Testament kann jedoch nur dann solche Wirkungen entfalten, wenn es formgültig ist. Das Testament kann unter Einbeziehung eines Notars errichtet werden. Auch kann man ein selbständig verfasstes Testament beim Amtsgericht in amtliche Verwahrung geben. Zwingend sind solche Maßnahmen für die Gültigkeit eines Testaments jedoch nicht.

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Grundsätzlich kann jedermann seinen letzten Willen rechtswirksam auch durch die Errichtung eines sog. eigenhändigen Testaments festhalten. Die Voraussetzungen für ein eigenhändiges Testament sind in § 2247 BGB geregelt. Folgende Voraussetzungen müssen demnach vorliegen:

Es muss sich aus dem Testament der Testierwille des Verfassers ergeben. D.h. es muss erkennbar sein, dass der Verfasser mit dem Schriftstück, das er aufsetzt, ein Testament errichten will. Daran könnte man zweifeln, wenn das Testament auf der Rückseite einer Medikamentenschachtel verfasst wird. Das ist grundsätzlich möglich, doch könnte man auch vermuten, dass es sich hierbei nur um einen Entwurf für ein Testament handelt. Daher muss darauf geachtet werden, daß der Testierwille aus dem Inhalt des Geschriebenen hervorgeht. Am einfachsten kann der Verfasser seinen Testierwillen bekunden, indem er den Text mit der Überschrift „Testament“ oder „Mein letzter Wille“ versieht. Das Testament muß auch handschriftlich vom Verfasser selbst geschrieben sein. Damit soll die zweifelsfreie Feststellung erleichtert werden, dass es sich um ein echtes Testament handelt. Ein Testament, dass der Erblasser mit Hilfe einer Schreibmaschine tippt und handschriftlich unterschreibt ist damit ungültig. Auch gilt ein Testament dann nicht mehr als handschriftlich, wenn ein anderer die geschwächte Hand des Verfassers führt. Bloßes Stützen der Hand schadet dagegen nicht. Schreibunfähige können ein eigenhändiges Testament grundsätzlich nicht errichten, sondern sind auf die Hilfe eines Notars angewiesen. Das Testament muss vom Erblasser unterschrieben sein. Es muss eine zweifelsfreie Identifikation des Verfassers gewährleistet sein. Das ist grundsätzlich dann der Fall, wenn der Verfasser mit Vor- und Zunamen unterschreibt. Außerdem soll die Unterschrift zuletzt unter dem gesamten Text stehen. Man könnte sonst daran zweifeln, dass etwas, was unterhalb der Unterschrift steht, noch zum Testament gehört. Schließlich soll das Testament eine Orts- und Zeitangabe enthalten. Davon kann die Wirksamkeit eines Testaments abhängen, wenn jemand mehrere, sich widersprechende Testamente errichtet hat. Denn dann ist nur das letzte Testament gültig; das frühere gilt als widerrufen. Finden sich z.B. in der Schublade eines verstorbenen Patienten zwei formgültige Testamente, wobei im einen der Onkel, im anderen der Bruder zum Alleinerben eingesetzt wurde, so gilt nur das Testament mit dem neueren Datum. Enthält keines der Testamente ein Datum, so sind sie beide ungültig.

Ein eigenhändiges Testament bietet den Vorteil, dass hierfür keine Gebühren anfallen. Gibt man es jedoch nicht in amtliche Verwahrung, besteht die Gefahr, dass es nach dem Todesfall des Erblassers nicht aufgefunden oder unberechtigt vernichtet wird. Bei selbstständig verfassten Testamenten besteht weiterhin die Gefahr, dass Verfügungen getroffen werden, die rechtlich unzulässig sind und im Zweifel keine Wirkung entfalten. Auch kann es zu erheblichen Auslegungsschwierigkeiten kommen, so dass bei Fehlinterpretation nach dem Todesfall der Wille des Verstorbenen nicht zum Tragen kommt. Will man also gewichtige testamentarische Verfügungen treffen, ist die Konsultation eines Anwalts oder eines Notars anzuraten.

Zusammenfassung:

• Rechtsgültige Testamente können auch ohne Notar als sogenannte eigenhändige Testamente errichtet werden.
• Ein eigenhändiges Testament setzt vier Formerfordernisse voraus: (1) Es muss der Testierwille aus dem Text hervorgehen (am besten durch eine Überschrift: „Testament“, „Mein letzter Wille“) (2) Es muss handschriftlich verfasst sein (d.h. es darf z.B. keine Schreibmaschine benutzt werden; auch muss der Erblasser selbst schreiben) (3) Es muss unterschrieben sein (d.h. es ist mit Vor- und Zunamen sicherzustellen, dass die Identität des Verfassers zu erkennen ist; die Unterschrift soll unter den Text gesetzt werden) (4) Das Testament soll eine Orts- und Zeitangabe enthalten.
• Ein Schreibunfähiger kann ein Testament grundsätzlich nur vor einem Notar errichten. Anzeige: