Von: Dr. jur. Jan Martin Strosing

Fahrlässige Körperverletzung / Fahrlässige Tötung – Grundlagen des Rechts

 

§ 229 StGB Fahrlässige Körperverletzung Wer durch Fahrlässigkeit
die Körperverletzung einer anderen Person verursacht, wird mit Frei-
heitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

§ 222 StGB Fahrlässige Tötung Wer durch Fahrlässigkeit den Tod
eines Menschen verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Ja-
ren oder mit Geldstrafe bestraft.

Nicht jedes fahrlässige Verhalten, durch das ein Schaden verursacht wird, ist strafbar. Bringt z.B. der Kunde eines Antiquitätenladens eine kostbare Porzellanvase zum Bruch, indem er sie aus Versehen umstößt, so hat er fahrlässig das Eigentum des Ladeninhabers verletzt und ist ihm zum Schadensersatz verpflichtet. Strafbar ist ein solches fahrlässiges Verhalten jedoch nicht. Strafbar ist es nur dann, wenn es im Gesetz ausdrücklich mit Strafe bedroht ist, § 15 StGB. Die im täglichen Leben (besonders im Straßenverkehr) am meisten vorkommenden strafbaren Fahrlässigkeitsdelikte sind die fahrlässige Körperverletzung und die fahrlässige Tötung. Diese Straftaten kommen immer dann in Betracht, wenn die Körperverletzung bzw. Tötung nicht durch vorsätzliches, sondern durch fahrlässiges Verhalten verursacht wurde.
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Zusammenfassung:

• Wer eine Körperverletzung oder Tötung zwar nicht vorsätzlich, aber fahrlässig herbeiführt, kann sich wegen fahrlässiger Körperverletzung bzw. wegen fahrlässiger Tötung strafbar machen.
• Die Strafbarkeit tritt nur dann ein, wenn die Körperverletzung bzw. Tötung gerade wegen des fahrlässigen Handelns, d.h. gerade wegen einer Sorgfaltspflichtverletzung passiert. Wenn z.B. die Einstichstelle vor einer Injektion nicht desinfiziert wird, dann handelt die durchführende Pflegeperson fahrlässig. Entzündet sich später die Stelle aus einem anderen Grund, so hat sich die Pflegeperson nicht strafbar gemacht, weil die Entzündung nicht auf die Fahrlässigkeit der Pflegeperson zurückzuführen ist.
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