Von: Dr. jur. Jan Martin Strosing

§ 25 StGB Täterschaft (1) Als Täter wird bestraft, wer die Straftat selbst oder
durch einen anderen begeht.
(2) Begehen mehrere die Straftat gemeinschaftlich, so wird jeder als Täter be-
straft (Mittäter).

§ 26 StGB Anstiftung Als Anstifter wird gleich einem Täter bestraft, wer vor-
sätzlich einen anderen zu dessen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat
bestimmt hat.

§ 27 StGB (1) Als Gehilfe wird bestraft, wer vorsätzlich einem anderen zu des-
sen vorsätzlich begangener rechtswidriger Tat Hilfe geleistet hat.
(2) […]

Strafbar kann sich ein Täter nicht nur dadurch machen, daß er die Straftat selbst ausführt. Das Strafgesetzbuch kennt verschiedene Formen der Täterschaft: Der unmittelbare Täter ist derjenige, der die Straftat selbst begeht (§ 25 Abs. 1, 1. Alt.). Von einem mittelbaren Täter wird gesprochen, wenn der Täter die Tat „durch einen anderen“ begeht (§ 25 Abs. 1, 2. Alt.). Das ist z.B. der Fall, wenn ein Arzt eine tödliche Substanz in einer Spritze vorbereitet und die ahnungslose Krankenschwester anweist, diese dem Patienten zu verabreichen. Hier hat der Arzt die Krankenschwester quasi als „Werkzeug“ für seine eigene Tat benutzt. Deshalb wird ihm die Handlung der Krankenschwester so zugerechnet, als hätte er sie selbst ausgeführt. Der Arzt wird als mittelbarer Täter so bestraft wie ein unmittelbarer Täter. Die Krankenschwester bleibt hierbei mangels Vorsatzes straflos. Weder wusste sie von der Tötung des Patienten noch wollte sie es. Schließlich nennt § 25 Abs. 2 den Begriff des Mittäters. Begehen mehrere gemeinschaftlich eine Straftat, so wird jeder einzelne als Täter bestraft. So z.B., wenn zwei Schläger das körperlich überlegene Opfer totschlagen wollen. Hebt der eine das Opfer fest, damit der andere dem Opfer tödliche Tritte in den Bauch versetzen kann, so wird nicht etwa der eine wegen Freiheitsberaubung und der andere wegen Todschlag bestraft, sondern beide werden wegen Todschlag bestraft. Denn derjenige, der das Opfer lediglich festhielt, hat es dem anderen überhaupt erst ermöglicht, die tödlichen Tritte zu versetzen. Deshalb muss er sich die tödlichen Tritte so zurechnen lassen, als hätte er sie selbst ausgeführt.

Strafbar macht sich auch derjenige, der die Tat zwar in keiner der drei Täterschaftsformen ausführt, aber durch eine andere Handlung die Tat als Teilnehmer begleitet. Teilnahme an einer Straftat tritt in Form der Anstiftung und der Beihilfe auf.

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Anstifter ist, wer einen anderen zu dessen vorsätzlicher rechtswidriger Tat „bestimmt“, § 26. Gemeint sind Fälle, bei denen jemand bewusst bei einem anderen den Tatentschluss zu einer dann tatsächlich ausgeführten Straftat hervorruft. So z.B., wenn ein Gläubiger seinen Schuldner zu einem Bankraub überredet, so dass er endlich an seine Außenstände kommt. Hier wird zum einen der Täter wegen Raub oder räuberischer Erpressung, aber in gleicher Weise auch der andere als Anstifter wegen desselben Delikts bestraft, weil er durch seine Anstifterhandlung schließlich der Initiator der Haupttat war.

Wegen Beihilfe macht sich gem. § 27 Abs. 1 strafbar, wer einem anderen vorsätzlich bei einer Straftat Hilfe leistet. Damit sind Handlungen gemeint, welche die Haupttat fördern. Wer z.B. einem anderen eine Waffe besorgt, damit dieser einem Mord begehen kann, macht sich wegen Beihilfe zum Mord strafbar. Er wird zwar milder bestraft als der Haupttäter, begeht aber durch die Beihilfe eine eigene Straftat.

Zusammenfassung

• Es gibt verschiedene Formen der Täterschaft: Unmittelbare Täterschaft, mittelbare Täterschaft und Mittäterschaft.
• Der unmittelbare Täter ist derjenige, der die Tat selbst begeht, (§ 25 Abs. 1, 1. Alt.).
• Der mittelbare Täter begeht die Tat „durch einen anderen“ (§ 25 Abs. 1, 2. Alt.), d.h. er überträgt die Ausführung der Tat auf einen anderen, bleibt aber der überlegene Hintermann, der die Tat steuert und lenkt.
• Als Mittäter wird bestraft, wer die Tat mit einem anderen gemeinsam begeht, § 25 Abs. 2. Dabei werden dem einen Täter auch die Tatbeiträge des anderen so zugerechnet, als hätte er sie selbst begangen (der eine hält fest, der andere schlägt – beide werden so behandelt, als hätte jeder von ihnen festgehalten und geschlagen).
• Strafbare Teilnahme an einer Straftat können Anstiftung und Beihilfe sein.
• Als Anstifter gem. § 26 wird gleich einem Täter bestraft, wer einen anderen zu einer Straftat „bestimmt“, d.h. in ihm den Tatentschluß hervorruft.
Wegen Beihilfe macht sich gem. § 27 Abs. 1 strafbar, wer einem anderen vorsätzlich bei einer Straftat Hilfe leistet und damit die Haupttat fördert (z.B. Beschaffen von Werkzeug für einen Einbruch).
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